Saturday, August 23, 2008

Burning Man

Hi Folks,

die letzten Wochen waren aufregend aber auch sehr anstrengend. Es galt Abschied von meiner Arbeitstelle zu nehmen und die Koffer für Kalifornien zu packen. Seit 2 Tagen husche ich nun durch San Francisco, stetig auf der Suche nach Essen und Burning Man Zubehör. Ja genau BURNING MAN. Seit Jahren habe ich damit ja nun schon so jeden genervt und nun geht es morgen endlich in die Wüste. Kurz ein paar Worte für alle, die von meinen Überzeugungsversuchen bisher verschont geblieben sind.
Burning Man ist ein Kunstfestival inmitten der Wüste von Nevada. Temperaturen reichen von 10°C in der Nacht bis über 40°C am Tag. Dabei ist man extremen Naturbedingungen ausgesetzt die unglaubliche Mengen an Wasser und Überlebensstrategien erfordern. Sandstürme, Trockenheit und die extremer Höhe sind nur einige davon. Außer Toiletten gibt es nichts was bereitgestellt wird. Meine Shoppingliste gestaltet sich wie folgt:
- 50 Liter Wasser
- Schutzmaske für Sandstürme
- Elektrolyte für den Salzhaushalt
- Essen, welches sich 7 Tage lang hält
- Kühlbox
- Staubmaske
- Kostüme
- Zelt mit 25cm langen Heringen (Sandssturm)
- feuchte Tücher als Duschersatz
- und tausend andere Sachen….

Soviel für heute, mehr dann wieder Anfang September.

Cheers,
Sebastian

Tuesday, March 14, 2006

the daily chaos
















14.03.

Überfüllt. Uninspirierend. Unterfordert. Diese Alliteration läßt ein wenig hinter die Kulissen einer Gastfamilie blicken. Meiner Gastfamilie.

a) Überfüllt:
Kurze Skizze der anwesenden Leute im Haus. Wir haben:
1. den Lebemann Alejandro. Mexikaner. Lieblingssatz: "Can you cook something for me...please?" Ab und zu lasse ich ein paar Brotkumen fallen. Verbraucht 400 Dollar im Monat für Parties. Beherrscht den Hüftschwung. Mexikaner. Das erklärt vielleicht seinen ausufernden Frauenkonsum. Hat er vom Vater nach eigenen Angaben. Mexikaner!
2. den um Aufmerksamkeit buhlenden Leandro. Brasilianer. Hasst Brasilien und Fußball. Erscheint kälteunempfindlich. -10°C Grad und Schnee wird barfuß bewerkstelligt. Jacken sind Mangelware. Jüngstes Tattoo stellt ein Ahornblatt dar. Liebt Kanada und die Vorzüge des besseren TV-Programms. Ansonsten kluger Bursche. Potenzieller Immigrant.
3. die ewig leidende Gastmutter Michele (Arthrose, Arthritis, Gicht, Synovitis, Ostheoperose, Meningitis, Hypothyreose, infektiöse Mononukleose). Kommunikationsunfähig. Nett und hilfsbereit. 33 Migränetage im Monat. Gute Köchin aber gesalzen werden muß selbst. Außerordentliche talentierte Malerin. Leider zu wenig Zeit, da keine Mahlzeit ohne TV. Erschrickt bei Ausdrücken.
4. Sohn Caleb. Heute geize ich einmal mit Adjektiven. Es ist zu ermüdend. Playstation 24 / 7.
5. Craig. Caleb's Bekannter aus Ontario. Sucht Arbeit, da die hier auf der Straße liegt. Ungelogen. Schrank. Klein und breit. Geht ins Fitness-Studio seit der 5. Klasse. Einziges Wort: "fuck" Gelegentlich: "fuckin'".
6. Joe. Caleb's Freund aus Ontario. Sucht Arbeit auf den Ölfeldern. Auch mit einer 2-Tages-Ausbildung kann man verdammt reich werden. Ungelogen. Ähnlich breit wie Craig jedoch wesentlicher netter. Leider nicht intelligenter. Tittenbilder auf Nachtschrank. (duden.de lieferte kein adäquates Wort)
7. den mittlerweile wieder eingezogenen Sohn John (26 Jahre). Einizger Lichtblick da ab und zu eigene Gedanken.

Es ist zu erwähnen, dass sich diese Vier ein Zimmer teilen.
Ein(e) X (-Box) verbindet.


b) Unispirend:

Das Fernsehen ist Dreh- und Angelpunkt im häuslichen Leben. Bücher sucht man vergeblich. Puccini ist ein Opern-Sänger. Jeder Film ist grandios. Mittlerweile verstehe ich warum Hollywood ununterbrochen produziert. Es gibt dankbare Abnehmer. Außerdem Dank an Sony für den Lebenssinn. Playstation die größte Erfindung seit Menschengedenken. Denken...


c) Unterfordert:

Man befragt mich zu der englischen Rechtschreibung. Meine Vokabel-Anfragen überfordert die Gemeinschaft. Das Online-Wörterbuch wurde bester und verlässlichster Freund. Was "About A Boy" hat eine Romanvorlage? Leute haben ernsthafte Probleme Haushaltsgegenstände zu benennen. Zitronenpresse könnte ein Entsafter sein, wenn mein Wörterbuch nicht Zitronenpresse vorgeschlagen hätte. Trotz stetiger Austauschstudenten ist die Telefonvorwahl Kanada's ein Mysterium.


gotta go

pictures of a party
















Zeugnisse einer längst vergessenen Party. Einer Pyjama-Party um genau zu sein. Meine Erste um noch weiter ins Detail zu gehen. Dementsprechend die Ausstaffierung. Nicht jeder hielt sich an die Vereinbarung. Nichts Spannendes zu berichten. Unaufgeregt und langatmig. 25 Tüten Chips in 26 Sorten. Genügend Alkohol und Pops um sie hinterzuspülen. Flecken auf dem Teppich. Sinnlose Trinkspiele. Keine Frauen. Man ging Pizza besorgen, um der Eintönigkeit zu entrinnen. 1 Uhr in der Nacht. Das Produkt verursachte Sodbrennen und eine weitere schlaflose Nacht.

nothing matters

Thursday, March 09, 2006

german influence





10.03.

Selbst diesem wert entfernten Land ist "made in germany" ein Begriff. Das betrifft allerdings nicht unsere überragende Fußball-Jugend, der Kammerchor aus "Jugend Musiziert" oder die weit über ihre Grenzen hinaus bekannte deutsche Cuisine. Es sind vielmehr die kleinen Dinge, die sich bis hierher bemerkbar machen.
Dass der gemeine Kanadier im allgemeinen europäische Vorfahren aufzuweisen hat, ist sicher allgemein bekannt. Daher ist es nicht verwunderlich, dass sich ein paar deutsche Wörter in die englische Sprache eingeschlichen haben. Im Intervenieren haben wir ja reichlich Erfahrung. Folgende Beispiele sind mir in meinem alltäglichen Leben begegnet: "Oktoberfest, Apple Strudel, Schadenfreude, Kindergarten, Doppelganger, Sauerkraut, Poltergeist." Die Schreibweise entspricht den orthographischen Regeln der hiesigen Sprache. Die Aussprache ist erfreulicherweise weitestgehend deutscher Natur. Natürlich mit dem unverwechselbaren englischen Akzent. So ist "Schadenfreude" (für das es tatsächlich kein englisches Equivalent gibt) zu meinem Liebling geworden. Unnötig zu erwähnen, dass nicht jeder Kanadier mit diesem Ausdruck etwas anzufangen weiß. "Oktoberfest" wird im Zusammenhang mit jedem größerem Trinkfest auf Papier gebannt und plakatiert. Manchmal auch in folgendem unorthodoxen Abdruck "Ocktoberfest".
Ein weiteres Beispiel deutscher Exportkunst stellen unsere beliebten Schokoherzen dar. Da hier sich hier weitestgehend alles auf Cookies oder Donuts beschränkt, wurde ich beim Verzehr argwöhnisch beobachtet. So habe ich mir kurzerhand einen Cabernet angedeihen lassen, witzigerweise mit teils deutschem Etikett versehen. Grund? Ich habe keine Erklärung.
Das vorletzte Beispiel hinkt ein wenig was den Begriff "deutsch" angeht. Denken wir uns einfach etwa 65 Jahre zurück, dann sind wir im Lot. Ironischerweise wurde ausgerechnet in einem italienischen Restaurent mit asiatischen Kellnern "Sacher-Torte" aufgetischt. Überraschend überzeugend im Geschmack wird diese doch mittlerweile unserem geschätzten Nachbarn Österreich zugeordet.
Kommen wir zu guter Letzt zu unserem Steckenpferd, der deutschen Handwerkskunst. Zu Bewundern in allen Straßenbahnen in und um Calgary. Das ruft schon ein wenig Nostalgie hervor.


spread it all out

Friday, March 03, 2006

lonely hearts ad





03.03.

Das ist Ken. Ken ist ein Freund der Gastfamilie in der ich momentan hause. DER Freund. Ken ist so etwas wie ein Ziehvater für mich geworden. Daher habe ich mich entschlossen seinen sehnlichsten Wunsch zu erfüllen und gebe ihm einen Platz in meiner "Hall of Fame". Auch ohne aktuellen Geburtstag. Das alles hat jedoch seine Gründe. Ken sucht eine Frau! Nachdem ich ihm erzählte dass mein Blog täglich zwischen 2000 und 3000 Klicks hat, war er ganz begierig seinen kleinen Beitrag dazu zu leisten. Nachdem über dunkle Kanäle eine betrachtliche Summe Geld geflossen ist, habe ich mich letztendlich breitschlagen lassen.
Um ein besseres Bild von Ken zu bekommen, bitte ich folgenden Zeilen aufmerksam zu lesen. Starten wir mit meinen Eindrücken.
Wie ist Ken zu charaterisieren? Er überrascht mich oft mich seiner Sicht auf die Welt, die nur zwei Seiten enthält. Das macht den Umgang mit ihm recht einfach, wenn man ähnlich engstirnig ist. Eigenen Aussagen zu Folge hat er ein recht kleines Gehirn, was ihn die Problematik nach einigen Tagen vergessen machen läßt. Handwerklich geschickt wäre übertrieben, aber er hat genug Geld um den Auftrag des Blockhauses in Auftrag zu geben. Intellektuell und gebildet, sowie kulturell interessiert (was nicht nur die eigene DVD-Sammlung betrifft), sowie ein Hang zum auswärts Essen sollen den ersten Eindruck abrunden.
Die nächsten Zeilen erreichten mich in einer dringenden eMail. Darin beschreibt er in kurzen knappen Worten, was die Dame seines Herzens zu erwarten hat.
"Ich mag elegante Frauen mit einem ausländischen Akzent. Ich suche eine Frau, mit der ich eine Familie gründen kann. Mit mir hast du das Hauptlos in der Lotterie gezogen. Du wirst nie wieder arbeiten müssen. Zudem kannst dir ein Haus sowie ein eigenes Auto aussuchen. Bei weiteren materiellen Wünschen kannst du dich jederzeit an mich wenden." Na wenn das nichts ist... Mir bleibt nichts weiter hinzuzufügen.

Die Bilder hat er mir in Eigenregie geschickt. Ob es allerdings geschickt war sich im Geleit zweier blonder Frauen zu zeigen, vermag ich nicht zu beurteilen. Ich denke, das soll die Fähigkeit sich auf gesellschaftlichem Parkett zu bewegen, demonstrieren.

So Martina, was hältst du von Ken dem romatischen Kanadier, der dich zum Frühstück mit ein paar deutschen Sätzen aus deutschen Militärbüchern überrascht? Der passend zum Anzug das Brillengestell auswählt und dir das himmlischste Wochenendhaus der Welt zu Füßen legt? Natürlich im schnöden Calgary. Bitte entscheide dich jetzt.

Anfragen sowie Vermittlungsgesuche bitte vertrauensvoll an mich senden. Und ich hoffe dass keiner auf die Idee kommt, diesen großzügigen Mann auszunutzen.


desperate housemen

Thursday, March 02, 2006

Happy Birthday Kris



Mit diesem kleinen Eintrag möchte ich einem Menschen huldigen, den ich als Gesprächspartner sehr schätze. Auch wenn wir unsere Differenzen in unserer langjährigen WG hatten, vermisse ich ihn und hätte ihn gerne ab und zu in Paderborn. Er ist einer der wenigen Kerle mit denen man Tanzen gehen kann ohne langatmig lamentieren zu müssen, ob das für einen Mann angebracht sei. Einem gepflegten Drink ist er auch nie abgeneigt, welcher oft die Grundlage für stundenlange Musikdiskussionen bietet. Dabei hat er für mich den besten Geschmack alive.
Nach soviel Lob dürften die Mädels in Paderborn und anderswo Schlange stehen. Gegen eine geringe Kollekte gebe ich gerne die Kontaktdaten heraus. Das ist übrigens preiswerter als jede Singlebörse.

down on the upside

excuses

02.03.

Liebe Leserschaft,

nicht nur Sie, auch ich habe meine Geschichten vermisst. Und würde ich Sie nicht erleben, wäre dieses Abenteuer nur die Hälfte des eingesetzten Preises wert. Was auch immer das bedeuten mag. Ich habe weder meine Sorgen im Suff ertränkt noch habe mir beim Rodeo das Genick gebrochen, wie einige von Ihnen geunkt haben. Stattdessen hatte ich mit den Tücken der Großstadt zu kämpfen was mich veranlasste, ein wenig Ruhe und Erholung in der kanadischen Wildness zu suchen. Dabei habe ich erkannt dass ein Blog wie ein Baby ist, welches ständig gefüttert, gehegt und gepflegt werden muss. (Zitat)
Die Reihe des mysteriösen Ereignisse begann mit einem mittelschweren Unfall der nun vier Wochen zurückliegt. Mit der Anzahl der Trainingsmonate wurde ich zunehmend leichtsinniger und überheblicher. So dachte ich mir eines schönen Tages, dass ich die 5 kg-Hantel mittlerweile mit einer Hand bewältigen könnte und kugelte mir prompt die Schulter aus. Dank chinesischer Medizin und einem Adjutanten auf dem Gebiet der Akkupunktur bin ich nun wieder in der Lage, mir die Schuhe alleine zuzubinden. Danach wollte ich meinen mittlerweile steif gewordenen Körper mit der vielgepriesenen ewigen Jugend-Medizin auf Vordermann bringen. Yoga oder die einstündige Marter brachte Muskeln zum Vorschein, die lieber im Verborgenen geblieben wären. Ich dachte, was inzwischen in jeder Vorschule gelehrt wird, könne nicht von schlechten Eltern sein. Aber genau jene sollten nach diesem Leidensbericht wissen, was sie ihren Kleinen im guten Glauben antun.
All dies hatte meinem Körper die Energie entzogen, mich Ihnen vollends und ganzheitlich zu widmen. Mit dieser halbherzigen Entschuldigung entlasse ich sie in das wohlverdiente Wochenende und hoffe, dass sie mir auch weiterhin gewogen bleiben.

talk to you guys later

Monday, January 30, 2006

Happy Birthday Marija



Hallo liebste Saengerin,

auch wenn du noch in den Diensten dieser anderen unsaeglichen Band weilst, moechte ich dir hiermit die liebsten Geburtstagsglueckwuensche senden. Ich weiss ja, dass du diesen mal wieder auf den Buehnen dieser Welt verbracht hast. Ein weiterer Wunsch ist, diese Buehnen ein wenig zu vergroessern.
Also zieh dich schon mal warm an, es sind noch 7 Wochen.

Hab dich lieb, Basti

Happy Birthday Meike


Wenn auch etwas verspaetet nun dein verdienter Blogeintrag. Wuensche dir von hier nochmal alles Wunderbare fuer's neue Lebensjahr. Lass es Krachen! Ich helf dir dabei, wenn ich wieder im Lande bin.

dicker Druecker von mir

Tuesday, January 17, 2006

encounters











17.01.

Calgary ist die Stadt der freundlichen Menschen. Oder der Einsamen und Verzweifelten? Oder der Redebedürftigen? Leider sind meine Studien noch nicht so weit vorgedrungen, um das mit Sicherheit unterscheiden zu können. Was will ich damit sagen?
Wer Kontaktprobleme hat, ist hier gut aufgehoben. Es vergeht kaum ein Tag, wo man nicht angesprochen wird. Damit meine ich nicht die die übliche Disko-Szenerie sondern das alltäglichen Leben auf den Strassen. Sieht man von den 50 % IPod-Trägern ab bleibt immer noch ein beachtlicher Prozentsatz redewilliger Menschen. Beginnend bei Uhrzeit- und Fahrplanauskünften wechselt man schnell auf andere Themen. Wo man in Deutschland meist nur ein unwirsches "keene Ahnung" vor die Füße geworfen bekommt, wird man hier mit einem Portfolio aus erbetenen und ungebetenen Informationen bedient.
Ein paar Beispiele aus den letzten Wochen möchte ich hier zum Besten geben:
1. Hey Mann, wo hast du die geilen Schuhe gekauft? Anschließend wurde ein Handybild von meinen Adidas-Tretern geschossen.
2. Wollen sie einen Blick in meine Zeitung werfen?
3. Können Sie mich wecken, wenn wir in Downtown sind?
4. Was steht auf deinem Gürtel? (Dank sei H&M, die immer wieder mit verruchten englischen Sprüchen für Aufsehen sorgen.)
5. Warst du auch bei dem Calgary Flames - Spiel? (Eishockey Team)

Es sind schon erstaunlich, dass ich in meinen drei Monaten Calgary mehr Gespräche in Bus und Bahn hatte als in meinem gesamten Leben in Deutschland. Das liegt möglicherweise auch an meiner bevorzugten Fortbewegungsweise, dem Fahrrad.
Ich hoffe, dass ich mich schnell wieder an deutsche Verhältnisse anpasse. Ansonsten riskiere ich eventuell eine dicke Lippe im wahrsten Sinne des Wortes.

i love it

laundry





Heute möchte ich über den gemeinen Waschvorgang in Kanada berichten. Wer sich wundert warum der Sebastian immer so komische Sachen thematisiert dem sei gesagt, dass ich damit versuche die kulturellen Unterschiede dieser beiden Länder rauszuarbeiten. Und daher berichte ich über alles was mir komisch, interessant oder einfach anders erscheint.
Vielleicht wirft diese Thematik dann die Frage auf, was mir, einem männlichen Wesen denn da für Unterschiede auffallen sein könnten? Und ich muß gestehen: Einige ! Sicherlich wird jetzt der eine oder andere sagen: "Waschen? Macht das nicht immer Mutti?" Oder: "Ich habe mich schon immer gefragt, warum wir 3 Körbe im Bad haben?" Ich dagegen wurde schon mit sechs Jahren darauf trainiert, meine Schmutzwäsche nach Farben und Gradzahlen zu sortieren. So konnte ich gleich meine just erworbenenen Mathematikkenntnisse anwenden, was sicherlich meinen Dad gefreut hat. Der hat allerdings bis heute noch nicht wirklich begriffen, dass man Wolle und Polyester nicht wirklich zusammenwaschen und von dem 90 °C-Regler sparsamen Gebrauch machen sollte. Ob diese offenen Geständnisse meine Heiratschancen erhöhen oder eher minimieren, wird sich in 2 Monaten herausstellen. Aber ich möchte hier nicht abschweifen.
Groß war meine Enttäuschung als ich statt der gewohnten 14 Waschprogramme ganze drei, grob unterteilte Regler vorfand. Kalt, warm und heiß. Ich meine, daß die Kanadier nicht gerade die präzisesten sind, war mir spätestens nach dem Gebrauch von Inch und Fuß klar. Aber wo ist die Handwäsche, das Socken- und Unterwäscheprogramm oder einfach nur die 60 °C Buntwäsche?
Somit sah ich mich vor das Problem gestellt, mein mit Gradzahlen verseuchtes Hirn neu zu programmieren. Kalt, Kalt, Warm, Kalt, Heiß.. nein Warm usw. Zum Glück hat man mittlerweile von der Fahrenheitschen Messung Abstand genommen. Ein weiterer Schock lies nicht lange auf sich warten. Der durchschnittliche Waschvorgang dauert ganze 10 Minuten. Intensiv sind dann 18 Minuten vorgesehen. Als zusätzliche Herausforderung ist dann noch die Wassermenge zu bestimmen, welche sich nach der Anzahl der Wäsche richtet. Dies bewerkstelligt man mit den Reglern: Klein,mittel, groß. Nachdem man sich dies alles reiflich überlegt habt kippt man das flüssige Waschmittel in den obligatorischen Toplader und es beginnt die eigentliche Prozedur. Das die Maschinen größer als in Deutschland sind muß ich wohl nicht extra erwähnen.
Ganz wohl ist mir bei der Sache aber nicht. Ich frage mich ernsthaft, wieviele der bösartigen Bakterien bei einem mit kaltem Wasser angereicherten zehnminütigen Waschvorang getötet werden. Das ist es wahrscheinlich besser durch den Regen laufen. Man ist an der frischen Luft und der Phosphatgehalt dürfte dergleiche sein.
Flecken habe ich bisher trotz spezieller Sprays nicht herausbekommen. Somit war es von Vorteil, dass ich meine zweite Garderobe mitgenommen habe.

Waschen ist für Männer! Kanada ist ein Land welches auf die drängende Gleichberechtigung zischen den Geschlechtern Rücksicht nimmt, indem es dem Mann ein Werkzeug an die Hand gibt, mit dem auch ER arbeiten kann. Inwieweit das ein Fortschritt ist, bleibt abzuwarten.

it's no good